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Die Villa "Haselburg"
Die
römische Villa "Haselburg" gehört zu den mehreren hundert bekannten
Gutshöfen aus der Römerzeit in Hessen. Abgesehen von den
Kastelldörfern am Limes gab es in unserem Raum in römischer
Zeit sehr viel weniger Dörfer, als im Mittelalter oder heute. Das
Land wurde von großen Gutshöfen aus bewirtschaftet, die
beinahe regelhaft die Nutzfläche unter sich aufteilten, was zumindest eine teilweise
Vermessung des Landes nahelegt.
Die Mehrzahl dieser römischen Villae Rusticae
in Hessen befand sich in der fruchtbaren Wetterau, in Südhessen
besonders im Ried, der Dieburger und Groß-Umstädter Senke
sowie in den Flusstälern des vorderen Odenwaldes (Mümling und
Gersprenz). Unter all diesen Anlagen stellt die "Haselburg" die bislang
größte bekannte und am weitesten durch Grabungen erforschte
Anlage dar, obwohl sie - auf einer Hochfläche über den
Tälern von Gersprenz und Mümling im vorderen Odenwald gelegen
- nur einen vergleichsweise kargen Boden zur Verfügung hatte.
Unter Kaiser Hadrian (* 76 n. Chr., + 138) wurde der römische
Odenwaldlimes (von Wörth nach Bad Wimpfen) zugunsten einer
vorgezogenen Linie von Miltenberg nach Lorch aufgegeben. Daraufhin kam
es im Zuge einer Neuordnung der zivilen Verwaltung zur Gründung
des civitas-Hauptortes Dieburg (civitas Auderiensium). Seit hadrianischer Zeit entstanden in Südhessen zahlreiche Villae Rusticae,
wobei die Haselburg gut in diesen Zeitrahmen hineineinpasst: Die
Fundstücke (in der Masse Keramikfunde aller Art) legen einen
Beginn der Anlage um 130 n. Chr. nahe.
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Abb.
1.: Die römische Besiedlung Hessens im 2. Jahrhundert n. Chr.
Dreiecke stellen in der Regel römische Villenplätze dar.
Aus D. Baatz/ F.-R. Herrmann (Hrsg.), Die Römer in
Hessen² (Stuttgart 1989).
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Die
Haselburg stellt eine der größten bekannten, vor allem aber
die am großflächigsten ausgegrabene Anlage ihrer Art in
Hessen dar. Sie wurde seit 1979 freigelegt, als das Gelände vom
Bau mehrerer Gasfernleitungstrassen der Ruhrgas AG betroffen war (mehr zur "jüngeren" Geschichte der Haselburg finden Sie hier).
Dank eines freundlichen Entgegenkommens der Firma Ruhrgas wurde die
Gasleitung in einem Rohr unter der Anlage hindurchgetrieben, um den
Schaden an der archäologischen Substanz so gering wie möglich
zu halten.
Die seit dem frühen 19. Jahrhundert bekannte, jedoch nur wenig ergrabene Anlage wurde daraufhin großflächig vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen ausgegraben, während der Verein seit 1984 besonders die wissenschaftliche Erforschung , die Rekonstruktionen sowie den Erhalt der Anlage gefördert hat.
Dadurch
konnte eine Hoffläche von 183,5 x 185,5 m (etwa 3,4 ha)
eingehender erforscht werden. Zunächst wurde der Komplex des
Hauptgebäudes freigelegt, an das ein großzügiges Bad
und ein "Wirtschaftshof" angelehnt waren. Die späteren Grabungen
klärten weitere Fragen südlich und westlich dieses
Baukörpers sowie auf der Hoffläche insgesamt. So konnte
westlich des Hauptgebäudes ein kleines Gebäude mit Vorhof als
Jupterheiligtum mit originalem Aufstellungsort einer
Jupitergigantensäule identifiziert werden. Diese insgesamt recht
großzügige und für rechtsrheinische Verhältnisse
große Anlage legt nahe, dass sich hier ein Mitglied der
provinzialen Oberschicht niedergelassen hat, der größeren
Wert auf eine repräsentative Gestaltung gelegt hat.
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Abb. 2.: Plan der Villa "Haselburg" nach den Grabungen des LfD 1979-86. Aus F.-R.
Herrmann, Die villa rustica „Haselburg“ bei Hummetroth.
Archäologische Denkmäler in Hessen 55² (Wiesbaden
2001).
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Wie so
häufig in der Wissenschaft, werfen Forschungen neue Fragen auf. So sind
trotz umfangreicher Grabungen und auch späterer geophysikalischer
Vermessungen wenige und nur verhältnismäßig kleine Nebengebäude zu dem
recht prachtvoll ausgestatteten "Herrenhaus" bekannt. Seit 1986 wurde
aufgrund persönlicher Differenzen der beteiligten Ausgräber und
insgesamt gesunkenem Interesse keine reguläre archäologische Grabung
mehr durchgeführt.
Dennoch hat sich
das Freilichtmuseum "Römische Villa Haselburg" in der Folgezeit zu
einem beliebtem Ausflugsziel entwickelt. Das gesamte Areal der
römischen Villa wurde von der Gemeinde Höchst i. Odw. gekauft und zu
einem kleinen archäologischem Park mit rekonstruierten Grundmauern,
Schautafeln und angemessener Begrünung umgewandelt, das jedes Wochende
große Mengen von Wanderern anlockt - bietet die Haselburg doch die
Möglichkeit Geschichte hautnah in einer traumhaften Landschaft mit
Blick über den vorderen Odenwald zu erleben. Auch die Römer haben hier
komfortabel gewohnt und vor bald 1900 Jahren die Vorzüge der Gegend
genossen.
Seit Ende
des Jahres 2003, beinahe 20 Jahre nach den Grabungen wird die Haselburg
momentan im Rahmen einer Doktorarbeit an der Johann Wolfgang
Goethe-Universität Frankfurt a.M. bearbeitet, mit dem Ziel, zu einer
zitierfähigen Monographie dieser bedeutenden Ausgrabungsstätte des
Odenwaldes zu gelangen (---> weitere Informationen auf der Homepage der Universität).
Die Haselburg
hat immer noch Geheimnisse, welche die die archäologische Wissenschaft
nicht beantworten kann, so z.B. die Frage nach der wirtschaftlichen
Grundlage eines derart großen Hofes auf vergleichsweise kargem Boden,
den ungewöhnlichen Bautyp des Hauptgebäudes und vieles mehr.
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Abb. 3.: Blick aus dem Eingang des Hauptgebäudes über den vorderen Odenwald.
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Die Frage
nach dem Ende der Haselburg als römische Villa kann wiederum aufgrund
der Fundstücke schon insoweit beantwortet werden, dass sie
wahrscheinlich nicht mehr als 100 Jahre existiert hat. Als sich im
Verlauf des 3. Jahrhunderts n. Chr. germanische Übergriffe auf das
Grenzland häuften, scheint sie frühzeitig verlassen worden zu sein. Den
endgültigen Fall des römischen Limes (260 n. Chr.) haben ihre Bewohner
auf keinen Fall erlebt, wahrscheinlich haben sie schon einige Jahre
zuvor das Weite gesucht. Danach verfiel die Anlage, teilweise wurde sie
als Steinbruch benutzt. In jedem Fall hinterließ sie einige
Trümmerhaufen, die nach Berichten im 19. Jahrhundert noch über einen halben
Meter hoch aufragten. Da man dort nur eingeschränkt Ackerbau betreiben
konnte, wuchsen auf diesen Mauerresten Haselsträucher, wovon die Anlage
ihren heutigen Namen hat.
Das Ziel des Vereins ist es heute, die Haselburg als vorzüglichen zivilen Fundort in Hessen angemessen im Verbund mit dem Verein Museumsstraße Odenwald-Bergstraße
zu präsentieren. Das beinhaltet sowohl die Erforschung, als auch die
Pflege der Anlage mit dem Fernziel, hier möglicherweise eines Tages ein
"echtes" ziviles Römermuseum in Hessen zu etablieren. |
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