Haselburg-Logo Logo "Römische Villa Haselburg"
-
Die Villa "Haselburg"
Die Geschichte der Anlage
Rundgang durch die Anlage
archäologische Funde
Impressionen
Der Verein
Projekte
Termine
Führungen
Römerfest
Radwanderkurs
Mitglied werden
Links und Literatur
Anfahrtsweg
Impressum


Rundgang durch die Haselburg











Die Anlage
Die Hoffläche der Haselburg ist annähernd quadratisch bei 183,5 x 185,5 m (3,4 ha). Um diesen Hofbereich befand sich eine Mauer, deren Fundamentstärke sehr stark zwischen 0,80 und 3,80 m (hierbei dürfte es sich wohl eher um eine Schutt- oder Versturzschicht handeln) variierte. Etwa an der Mitte der Nordwestseite konnte bisher ein Tor mit einer Durchfahrtsbreite von 3,60 m nachgewiesen werden. Noch 1880 wurden dort nach Berichten des Ausgräbers H. Gieß "zwei mächtige Sandsteinquader mit eingelassenen Torpfannen" ausgebrochen. Bestimmte bauliche Befunde lassen vielleicht ein weiteres Tor im Südosten der Anlage vermuten. Die Umfassungsmauer ist heute an den Ecken, im südöstlichen Bereich sowie an diesem Tor teilweise rekonstruiert, an übrigen Stellen ihr Verlauf durch eine Hecke gekennzeichnet.


Abb. 1: Grundrißplan der Haselburg nach den Grabungen 1979-86. Aus F.-R. Herrmann, Die villa rustica „Haselburg“ bei Hummetroth. Archäologische Denkmäler in Hessen 55² (Wiesbaden 2001).

Nebengebäude des Hofes sind trotz intensiver Ausgrabungen bisher nur wenig bekannt. Südöstlich vom sog. "Wirtschaftstrakt" fand sich ein kleines Gebäude an die Hofmauer angelehnt. Südlich daran anschließend belegten mehrere Pfostenstellungen, dass man weitere Holzschuppen an die Mauer angebaut hatte.
Bereits 1886 wurde von H. Gieß in der Südwestecke ein Gebäude von 22,5 x 15 m ausgegraben. Es war durch eine Längsteilung und eine weitere Aufteilung der schmaleren Raumflucht in drei Räume untergliedert.
Südwestlich des Bades wurde bei den Grabungen des LfD ein rechteckiger Mauerwinkel mit Eingang freigelegt. Der Befund dürfte ebenfalls zu einem Gebäude gehören, dessen süd- und westliche Mauern ausgebrochen oder ausgepflügt wurden, weshalb wir die Größe nicht mehr bestimmen können.


Abb. 2.: Blick auf das an die Außenmauer angelehnte kleine Gebäude, dahinter ist die Umfassungsmauer als Hecke gekennzeichnet.

Die Wasserversorgung des Hofes erfolgte nicht über Brunnen, sondern man leitete Wasser in Kanälen von Quellen im Nordwesten der Anlage (nahe der modernen Ortschaft Hummetroth) zur Haselburg. Einige dieser Kanäle sind insbesondere im Nahbereich des Hauptgebäudes freigelegt worden. Sie zeigen ein sehr durchdachtes System zur Wasserversorgung der Küche, des Wohnhauses und vor allem des Bades. Am niedrigsten Punkt des Badegebäudes befand sich die Latrine, damit mit dem Brauchwasser ganz zuletzt noch die Toilette gespült wurde, bevor es den Hang hinab als Abwasser aus dem Gebäude geleitet wurde. Diese Wasserleitung bestand gewöhnlich aus kleinen, mit Steinplatten abgedeckten Kanälen, wie man sie sehr häufig in römischen Siedlungen findet.

Das Haupt- oder Herrenhaus
Das Hauptgebäude des Gutshofes wird dominiert von der vorgelagerten dreiseitigen Porticus, um den sich funktionale Anbauten wie das Bad und der Wirtschaftstrakt befinden. Entgegen der weitverbreiteten Meinung handelt es sich aber nicht um ein Peristylhaus, sondern der Anbau des Innenhofes steht am Ende einer Entwicklung, die sich z.B. an der Anlage von Laufen-Müschhag (CH) gut belegen lässt. Daraus resultieren auch teilweise erhebliche Abweichungen in der Ausrichtung der einzelnen Gebäudeteile. Die Erklärung ist simpel: das Hauptgebäude der Haselburg war einer Entwicklung unterworfen, wurde also mehrmals umgebaut oder erweitert. Einzelne Gebäudeteile wie z.B. der Wirtschaftstrakt oder der Innenhof selbst dürften erst später hinzugekommen sein.


Abb. 3.: Grundrißplan des Hauptgebäudes mit Badetrakt (links). Aus
F.-R. Herrmann, Die villa rustica „Haselburg“ bei Hummetroth. Archäologische Denkmäler in Hessen 55² (Wiesbaden 2001).

Man muss sich den Innenhof als dreiseitig mit Säulengang (porticus) umgebenen Hof vorstellen, der vor Sonne und Wind schützte.
Das eigentliche große Wohngebäude nördlich des Innenhofs ist innerhalb des Baukomplexes dominierend gewesen, allein die Fundamentstärke belegt, dass es zwar nicht mehrgeschossig, aber doch wenigstens eine wesentlich größere Raumhöhe besaß gegenüber den umliegenden Gebäuden.
Ausgegraben und rekonstruiert wurden fünf Räume, von denen der mittlere offensichtlich einen Speiseraum (oecus) darstellt, in dessen Apsis die typische U-förmige Anordnung von Speisesofas stand (triclinium). Ein großes Tor mit erhaltener Schwelle bot die Möglichkeit, den Raum zum Innenhof hin zu öffnen, während die Apsis sowie der westlich anschließende Raum beheizbar waren.


Abb. 4.: Funktionsschema einer Hypokaustheizung. Aus D. Baatz/ F.-R. Herrmann (Hrsg.), Die Römer in Hessen² (Stuttgart 1989).


Abb. 5.: Das teilweise rekonstruierte Hypokaustum im westlichen Raum des Hauptgebäudes.

In diesen Räumen fand man die Reste einer römischen Hypokaustheizung, vor allem verschieden Hypokaustziegel aller Art. Westlich der Apsis befindet sich außen ein Feuerungsgang (
praefurnium), wo ein Sklave oder Bediensteter ein Feuer im Gang hielt. Der Rauch zog durch die Sogwirkung unter dem Fußboden der Räume durch und wurde über Hohlziegel (tubuli) durch die Wände nach oben abgeleitet - eine einfache, aber wirkungsvolle Fußbodenheizung. Ebenfalls teilweise zu beheizen war der östlich an den Speisesaal anschließende Raum.
Das Gebäude war außen verputzt, der Sockel rot und die Mauern weiß gestrichen. Auch Innen zeugen Reste von Wandbemalungen und Glasfenstern von einen gewissen Wohnkomfort.


Abb. 6.: Reste von Wandbemalung von der Haselburg.


Der sog. "Wirtschaftstrakt"
Etwas ungeklärt ist die bauliche Anbindung und Abfolge des östlich an den Innenhof anschließenden "Wirtschaftstrakt". Der Befund des Kellers (zur Lagerung) und einer vermutlich darüber liegenden Küche (im Keller wurde ein verstürzter Ofen oder Herd aufgefunden) ist bei römischen Villae Rusticae sehr häufig und lässt wenig über die Nutzung des Gebäudes zweifeln, zumal im Hauptgebäude sonst keine Hinweise auf ein Küche o.ä. existieren. Schwieriger wird es schon mit dem südlich an den Keller anschließenden Teil. Mehrere Sockelsteine weisen wiederum auf eine porticus oder eine Dachkonstruktion hin. Es ist somit unklar, ob es sich um einen einfachen ummauerten Hof innerhalb des eigentlichen Hofareals oder ein Gebäude handelt.


Abb. 7.: Blick von Osten auf den Wirtschaftstrakt mit rekonstruiertem Keller.

In die Verbindungsmauer zwischen Keller und Peristyl ist ein Abguss des Matronensteins aus Mümling-Grumbach eingelassen, welcher dort in der Kirche zu finden ist. Er zeigt drei Frauen, Mutter- oder vielmehr Fruchtbarkeitsgottheiten, die nebeneinander in einer muschelförmigen Nische Sitzen. In ihren Händen tragen sie Schalen oder Körbe mit Früchten.

Das Badegebäude
Südwestlich schließt sich an den Innenhof das für Anlagen dieser Art vergleichsweise große Badegebäude an. Vom Peristyl kommend, betritt man zunächst den Umkleideraum (apodyterium). Das Bad der Haselburg weist die typischen 3 Räume für die verschieden temperierten Baderäume auf - Warmbad (caldarium) mit Warmwasserwanne, Laubad (tepidarium) und Kaltbad(frigidarium) mit Kaltwasserwanne. Üblicherweise wurde von Warm nach Kalt gebadet, es konnte aber auch nach Belieben variiert werden.


Abb. 8.: Blick von Norden über das Badegebäude.

Als Heizeinrichtung ist an das Warmbad wie am Hauptgebäude ein
Praefurnium im Westen angebaut.
Neben den beschriebenen Einrichtungen gibt es noch einen Raum, dessen Zweck bislang nicht ganz geklärt ist (Sudatorium oder Winterapodyterium), sowie neben dem Eingang eine Latrine, die man über einen separaten Korridor erreichte. Das ablaufende Wasser aus der Kaltbadewanne diente gleichzeitig zur Spülung der Toilette.

Das Jupiterheiligtum
Ein seltener Glücksfall für die römische Archäologie war die Identifizierung eines rechteckigen (17 x 10 m) großen Bauwerks als Aufstellungsort der auf römischen Villen häufig anzutreffenden Jupitergigantensäule und somit als Heiligtum. Nördlich davon fanden sich bedeutende Reste des als heidnisches Götzenbild zerschlagenen Monuments in einer Grube, darunter Teile des Reiters, der die Säule bekrönte sowie die oberste geschuppte Säulentrommel, anhand der das Monument mit einer Gesamthöhe von über 10 Meter (!) rekonstruiert wird.
Die Säule stand auf einem Fundament innerhalb des nördlichen Innenhofes des Heiligtums. Eine Zwischenmauer trennt in dem rechteckigen Bau einen Vorhof ab.
Die Verehrung des höchsten römischen Staatsgottes findet sich in den römischen Nordwestprovinzen häufig in dieser keltisch-römischen Mischform, die von der großen Jupitersäule in Mainz abgeleitet wird.


Abb. 9.: Rekonstruktion der Jupitergigantensäule (aufgefundene Teile dunkel) nach einem Rekonstruktionsvorschlag von H.G. Frenz.

Bekrönt wird die Säule häufig von einer rundplastischen Iupiterfigur, die über Giganten hinwegreitet (Darstellung einer mythologischen Szene, Iupiter besiegt die Mächte der Unterwelt), aber auch einfache sitzende Darstellungen von Iupiter sind bekannt.
Darunter befand sich der langgezogene Säulenschaft, der in der Regel mit Schuppen verziert war, als Zwischensockel und Zeitsymbol häufig ein Wochengötterstein sowie schließlich der Sockel, der als sog. Viergötterstein (in der Regel mit Iuno, Minerva, Hercules und Mercurius) gearbeitet war. Bei weitergehendem Interesse für den Jupitergigantenkult empfehlen wir folgendes Buch: G. Bauchhenss, Jupitergigantensäulen. Kleine Schr. Kenntnis Röm. Besetzungsgeschichte Südwestdeutschlands 14 (Stuttgart 1976).

Es ist geplant, dieses Heiligtum in nächster Zeit besser zu präsentieren, als das momentan der Fall ist. Der Haselburgverein möchte gerne das Mauerwerk teilweise rekonstruieren sowie eine Möglichkeit schaffen, die Reste der Säule wieder an ihrem ursprünglichen Platz aufzustellen. Als Fernziel schwebt uns vor, eine rekonstruierte Säule 10 m wieder in ihrem ursprünglichem Kontext aufzustellen. Dies ist aber ohne Sponsoren nicht möglich.


Abb. 10.: Das Jupiterheiligtum, Zustand kurz nach Fertigstellung der Teilrekunstruktion, die 2006 durch Mittel des Landes Hessen, Leistungen der Gemeinde und Eigenmittel des Vereins ermöglicht wurde

nach oben


Anmerkung für einen "echten Rundgang" durch die Anlage: Dieser beginnt in der Regel an der Hütte und führt zunächst durch den Wirtschaftstrakt, dann in das Hauptgebäude, anschließend Bad und schließlich Heiligtum. Optional kann man auch noch z.B. ein Nebengebäude oder die Toreinfahrt mit hinzunehemen.
Der Besuch der Haselburg ist kostenlos!
Am Ausgangspunkt (an der Hütte) befindet sich ein Kasten an einem Baum, dem Sie ein Führungsblatt entnehmen können. Ein weiterer Kasten an dem Baum daneben nimmt gerne Ihre Spende für Erforschung und Erhalt der Anlage entgegen.


zurück zur Startseite