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Archäologische Fundstücke von der Haselburg

Auf dieser Seite möchten wir Ihnen einige der römischen Fundstücke vorstellen, die auf der Villa Rustica Haselburg gefunden wurden.

1. Ritzinschrift auf einem Deckziegel der Hypokaustanlage

Das Stück wurde 1839 in der Hypokaustanlage des Hauptgebäudes gefunden. Die dunkle Färbung um die Inschrift herum belegt, dass der Deckziegel wie die anderen Ziegel dieser Art im hypokaustum vermauert war. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich um die Abrechung der Ziegelstreicher, die am Abend aufschrieben, wieviele Ziegel sie gefertigt haben. Unter der Inschrift befindet sich das Zeichen des Ziegelstreichers, eine Schleife, die auch auf sehr vielen anderen Ziegeln von der Haselburg vorkommt. Oft wurde deshalb in der älteren Forschung angenommen, auf der Haselburg habe es einen Ziegeleibetrieb gegeben. Dies konnte durch die Grabungen der jüngeren Vergangenheit nicht bestätigt werden, da es vor allem an Funden mangelt, die einem solchen Betrieb zuzuordnen sind. Die Inschrift ist somit für die Haselburg ein Einzelfund, trotzdem aber eines der frühesten Zeugnisse von einer gewissen Schreibkultur in Hessen.

Ziegelinschrift
Abb. 1.: Ziegelinschrift von der Haselburg (Abbildung aus dem
Hessischen Landesmuseum Darmstadt, Foto W. Fuhrmannek).

Die Lesung und Übersetzung lautet wie folgt:

stratura tertia
laterc[u]li capit[u]lares
n[umerus] CCCLXXV
Dritte Lage
"Kapitellziegel"
375 Stück

Bei der Schrift handelt es sich um römische Kursivschrift, eine Art Schreibschrift, die man bevorzugt auf "weichen" Materialien verwendete (z.B. auch auf Wachs- und Bleitäfelchen). Das Stück befindet sich üblicherweise im Hessischen Landesmuseum Darmstadt, ist aber momentan "auf Reisen", da es in der Ausstellung "Geritzt und Entziffert" gezeigt wird.



2. Verkleidungsziegel mit Rollstempelmuster

Haben Sie sich schon über unseren Seitenhintergrund gewundert? Das -sagen wir mal- für Internetseiten etwas ungewöhnliche Hintergrundmotiv hat einen direkten Bezug zu den römischen Fundstücken von der Haselburg. Es handelt sich nämlich um das Muster eines Ziegels, von denen eine große Zahl im Hauptgebäude gefunden wurde. Diese Ziegel waren nicht etwa Fußbodenziegel, sondern sie wurden mit T-förmigen Nägeln an der Wand befestigt. Das Muster diente lediglich dem Zweck, Putz besser haftbar zu machen.

Römische Verkleidungsziegel von der Haselburg
Abb. 2.: Römische Verkleidungsziegel von der Haselburg, alle vom Typ Stockstadt, der auf der Haselburg am häufigsten vorkommt.


Es handelt sich um ein eigenartiges Phänomen römischer Bautechnik, das nur für kurze Zeit (2. Hälfte des 2. Jahrhunderts) in einem begrenzten Raum (nämlich im wesentlichen im heutigen Südhessen) auftritt. Wahrscheinlich wurden diese auffälligen Ziegel in einer einzelnen Ziegelei gefertigt. Wo diese stand, ist bis heute nicht endgültig bewiesen, sie wird in Dieburg vermutet.
Aufgrund der Ähnlichkeit zu mittelalterlichen Fußbodenfliesen wurden sie zunächst für solche gehalten. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts legte man in einige Räume der principia auf der Saalburg Nachahmungen dieser Ziegel, die 1903 von der Firma Ph. Holzmann & Co angefertigt wurden. Auch ein Raum des Mainfränkischen Museums in Würzburg wurde mit einem solchen Fußboden versehen.
Erst weitere Funde, teilweise in situ, zeigten wenige Jahre später, dass es sich um Wandziegel handelte.
1988 hat der damalige Direktor des Saalburg-Museums Prof. Dietwulf Baatz im Saalburg-Jahrbuch 44 die verschiedenen Ziegelfunde zusammengestellt, die diesem Typ zuzuordnen sind.
Demnach gab es 5 verschiedene Stempeltypen, mit denen auf einer Rolle das Muster auf die Ziegel aufgebracht wurde. Sie sind hauptsächlich nach Fundorten benannt, es gibt auch einen Typ Haselburg (der Seitenhintergrund zeigt aber den Typ Stockstadt, da der Typ Haselburg sich dafür weniger eignet).
Mit freundlicher Genehmigung von Prof. Baatz stellen wir hier mal die verschiedenen Stempeltypen vor:

Stempeltypen der Verkleidungsziegel
Abb. 3.: Stempeltypen der Verkleidungsziegel mit Rollstempelmuster, benannt nach Fundorten (1. Haselburg, 2. Semd, 3. Dieburg, 4. Saalburg, 5. Stockstadt). Der Typ Dieburg ist auf der Haselburg nicht vertreten (Aus Saalburg-Jahrbuch 44, 1988).



3. Reste römischer Wandbemalung
Die Wände und Decken waren in den Räumen der Haselburg verputzt und wohl zumindest in einigen Räumen auch bemalt. Reste dieser Bemalung haben sich in der Nähe der Mauern im Boden erhalten. Einiges davon kann während der Führungen in unserer Hütte gezeigt werden. Es handelt sich jedoch meist um einfache Verzierungen, welche die Wände architektonisch stärker untergliedern sollten.


Reste römischer Wandbemalung
Abb. 4.: Reste römischer Wandbemalung


4. Römische Keramikfunde

Die große Masse der Fundstücke macht die Keramik aus. Neben den Ziegeln ist hier besonders die Gebrauchs- und Küchenkeramik besonders wichtig, da sie auch wichtige Hinweise zur Datierung der Anlage gibt. In einer Zeit, in der es weder Edelstahlkochtöpfe, noch Tupperwarendosen gab, waren Gefäße aus Ton ein wichtiger Bestandteil des täglichen Lebens. Durch die Tatsache, dass ihre Formen eine gewisse Entwicklung im Lauf der Zeit hatten, auch Moden und technischen Neuerungen unterworfen waren, bieten sie dem Archäologen heute wertvolle Anhaltspunkte zur Datierung. Die meisten Stücke kommen dabei natürlich in Scherben aus dem Boden.

Keramikfunde
Abb. 5.: Keramikfunde von der Haselburg an der Uni Frankfurt zur Bearbeitung. Hier ist größtenteils grobe Küchenkeramik (d.h. Kochtöpfe, Schüsseln und größere Teller) zu sehen, mit Ausnahme des roten Tellers vorne links.


Keramikfunde 2
Abb. 6.: Hals einer Amphore, derzeit ausgestellt im Rathaus der Gemeinde Höchst. Neben diesem Stück kann dort eine ganze Reihe Funde von der Haselburg angesehen werden.

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